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Arbeitszimmer: « Vorheriges Thema (Arbeitszeitkonten)Nächstes Thema » (Arbeitszimmer - Anmietung)

1. Anerkennung

Wer ein Arbeitszimmer absetzen will, muss das Finanzamt zunächst davon überzeugen, dass der Raum fast ausschließlich beruflich genutzt wird. Die Entscheidung über die Anerkennung eines Arbeitszimmers fällt in aller Regel vom "grünen Tisch" aus. Dabei zieht das Finanzamt über Art und Umfang der Nutzung aus folgenden Kriterien Rückschlüsse für eine Anerkennung:

  • die Wohnung bietet auch ohne das Arbeitszimmer ausreichend Wohnraum für die Familie,

  • das Arbeitszimmer ist als Büroraum eingerichtet,

  • das Arbeitszimmer ist von den übrigen Wohnräumen getrennt,

  • das Arbeitszimmer wird umfangreich beruflich genutzt.

Ob die Tätigkeit des Arbeitnehmers ihrem Umfang nach ein Arbeitszimmer erfordert, ist für die Beurteilung der Abzugsfähigkeit unerheblich (BFH, 26.04.1985 - VI R 68/82, BStBl II 1985, 467). Die Anerkennung eines Arbeitszimmers dem Grunde nach ist somit nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt.

Gegen eine Anerkennung spricht:

  • der Raum ist wie ein normaler Wohnraum eingerichtet,

  • im Arbeitszimmer befindet sich Unterhaltungselektronik (z.B. Fernseher, Videogeräte, Stereoanlagen)

  • es werden private Unterlagen, Literatur u.ä. aufbewahrt,

  • das Arbeitszimmer ist von anderen Wohnräumen nicht durch eine Tür getrennt (Raumteiler und Vorhänge reichen zur Trennung nicht aus),

  • der Raum wird ständig als Durchgangszimmer zu anderen Wohnräumen benutzt (BFH, 27.08.2002 - VI R 55/98, BFH/NV 2003, 150).

Praxistipp:
Nicht jedes Durchqueren des Arbeitszimmers führt zwangsläufig zu Versagung des Werbungskostenabzuges. So ist z.B. ein nur gelegentliches Durchqueren des Arbeitszimmers, um in andere Räume der Wohnung zu gelangen, die nicht ständig benutzt werden (z.B. Schlafzimmer), unschädlich.


2. Absetzbare Aufwendungen

Zu unterscheiden ist zwischen:

  1. Aufwendungen, die ausschließlich das Arbeitszimmer betreffen, wie die Einrichtung, Renovierung, Reparaturen, Kosten für Tapeten, Vorhänge, Bodenbeläge etc. Diese Kosten sind in voller Höhe Werbungskosten.
    Einrichtungsgegenstände müssen grundsätzlich auf ihre Nutzungsdauer (in der Regel 10 Jahre) abgeschrieben werden, wenn die Anschaffungskosten (ohne Umsatzsteuer) für den jeweiligen Gegenstand über 410 EUR liegen.
    Betragen die Anschaffungskosten (ohne Umsatzsteuer) dagegen höchstens 410 EUR, können sie im Jahr der Zahlung sofort in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden (§ 9 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 EStG).

  2. Aufwendungen, die die gesamte Wohnung betreffen, sind Werbungskosten, soweit sie anteilig auf das Arbeitszimmer entfallen.

Zu den anteilig absetzbaren Kosten gehören bei

  • Mietwohnungen

    1. Miete

    2. Nebenkosten wie Müllabfuhr, Umlagen etc.

    3. Heizung, Strom, Wasser

    4. Reinigungskosten, Putzmittel

    5. Hausratversicherung

  • Eigentumswohnungen, Eigenheimen

    1. Hypothekenzinsen

    2. Gebäudeabschreibung

    3. Instandhaltungskosten

    4. Reparaturen

    5. Glas-, Wasser-, Sturm-, Feuerversicherung und

    6. sonstige Gebäudeversicherungen

    7. Grundsteuer, Straßenreinigung, Müllabfuhr

    8. Entwässerung, Hausbeleuchtung

    9. Schornsteinfeger

    10. Hauswart, Treppenreinigung und Fahrstuhl

    11. Heizung, Strom, Wasser

    12. Reinigungskosten, Putzmittel

    13. Hausratversicherung

Praxistipp:
Zu den Kosten für das Arbeitszimmer gehören alle im laufenden Jahr tatsächlich aufgewendeten Beträge. Dazu rechnen z.B. auch Voraus- und Nachzahlungen für Strom, Gas, Wasser, Heizung und Nebenkosten.


Die Aufteilung erfolgt im Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche der Wohnung. Nicht zur Wohnfläche rechnen dabei Nebenräume, wie Keller, Boden, Garagen, Trockenräume etc.

Beispiel:
Gesamte Wohnfläche

80 qm

Fläche des
Arbeitszimmers

10 qm


Lösung:

80

Kostenanteil Arbeitszimmer:

10

----

(x 100)

= 12,5 %


Von den Gesamtkosten der Wohnung können also 12,5 % für das Arbeitszimmer geltend gemacht werden.


Befindet sich das Arbeitszimmer in einem ausgebauten Kellerraum, wird dessen Fläche bei der Berechnung der anteiligen Kosten zur Wohnfläche geschlagen.

Praxistipp:
Befindet sich das Arbeitszimmer in einem Haus oder einer Wohnung, das oder die im Miteigentum von Ehegatten steht, sind unabhängig von der Höhe des Miteigentumsanteils die vollen Kosten für das Arbeitszimmer als Werbungskosten abzugsfähig, also auch der Teil der Aufwendungen, der auf den das Arbeitszimmer nicht nutzenden Ehegatten entfällt.


3. Abzugsbeschränkung

Seit 1996 bestehen sowohl für den Betriebsausgabenabzug als auch für den Werbungskostenabzug aufgrund des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG zum Teil erhebliche Einschränkungen beim Abzug von Arbeitszimmerkosten. Im Ergebnis sieht das Gesetz bis 2006 drei unterschiedliche Fallgestaltungen in Bezug auf das häusliche Arbeitszimmer vor:

  • das Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit. Die Kosten sind in diesem Fall in voller Höhe abzugsfähig;

  • für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Der Abzug der Aufwendungen für das Arbeitszimmer ist auf höchstens 1.250 EUR im Kalenderjahr beschränkt; diese Regelung war zunächst ab 2007 entfallen.

  • mehr als 50 % der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit wird im häuslichen Arbeitszimmer erbracht. Auch hier ist der Abzug der Aufwendungen für das Arbeitszimmer mit höchstens 1.250 EUR im Kalenderjahr abzugsfähig. Diese Regelung ist ab 2007 entfallen.

Alle darüber hinausgehenden Kosten - ausgenommen in der ersten Variante - sind nicht abzugsfähig.

Praxistipp:
Der BFH hat entschieden, dass der Abzug von Ausstattungsgegenständen, die zugleich Arbeitsmittel darstellen, wie z.B. Schreibtisch, Schreibtischstuhl oder Bücherschrank, von den Abzugsbeschränkungen nicht betroffen ist. Der Abzug dieser Aufwendungen als Arbeitsmittel ist unabhängig von dem beschränkten Abzug der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer möglich (BFH, 21.11.1997 - VI R 4/97; BStBl II 1998, 351; DB 1998, 450).


Auch wenn das Arbeitszimmer mehrere Räume umfasst, lässt die Finanzverwaltung nur einen Höchstbetrag von 1.250 EUR zum Abzug zu (d.h. für ein Arbeitszimmer). Dass diese Räume ggf. für unterschiedliche Einkunftsarten genutzt werden, führt nicht dazu, dass der Höchstbetrag von 1.250 EUR mehrmals abgezogen werden kann (keine Vervielfachung des Höchstbetrags), vgl. BFH, 09.05.2005 - VI B 50/04, BFH/NV 2005, 1550. Gleiches gilt, wenn im selben Veranlagungszeitraum das Arbeitszimmer gewechselt oder ein weiterer Raum für die künftige Nutzung als Arbeitszimmer hergerichtet wird. Auch in diesem Fall ist eine Ausweitung der Abzugsbeschränkung nicht möglich, BFH, 09.11.2005 - VI R 19/04.

Hinweis:
Mit Beschluss vom 06.07.2010 (2 BvL 13/09) hat das BVerfG entschieden, dass die aktuelle gesetzliche Regelung zur steuerlichen Berücksichtigung der Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers verfassungswidrig ist. Nach Ansicht des BVerfG verstößt der seit 2007 geltende § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes, soweit die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer auch dann steuerlich nicht berücksichtigt werden, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Der Gesetzgeber wurde verpflichtet, den verfassungswidrigen Zustand rückwirkend zum 01.01.2007 durch eine Neufassung der gesetzlichen Regelung zu beseitigen. Das BMF-Schreiben vom 12.08.2010 - IV A 3 - S 0338/07/10010-03 regelt, wie die Finanzbehörden bis zum Inkrafttreten der gesetzlichen Neuregelung verfahren sollen. Die Festsetzung der Einkommensteuer und die gesonderte Feststellung von Einkünften werden gemäß § 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 der AO im Hinblick auf die durch Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 06.07.2010 - 2 BvL 13/09 - angeordnete Verpflichtung zur gesetzlichen Neuregelung der Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, § 9 Abs. 5 Satz 1 EStG) vorläufig erlassen. Im Interesse der Bürger und aus verwaltungsökonomischen Gründen sollen dabei nachgewiesene oder glaubhaft gemachte Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer vorläufig bis zur Höhe von 1.250 EUR berücksichtigt werden, wenn einem Steuerpflichtigen für seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit neben dem häuslichen Arbeitszimmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Nicht verfassungswidrig ist das Abzugsverbot, sofern ein ausschließlich betrieblich oder beruflich verwendetes häusliches Arbeitszimmer zu mehr als 50 % der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit genutzt wird, ein weiterer Arbeitsplatz aber zur Verfügung steht.


Der Gesetzgeber hat die Forderungen des Bundesverfassungsgerichts mit dem Jahressteuergesetz 2010 umgesetzt. Betroffene Steuerpflichtige mit Anspruch auf den Kostenansatz, die Einspruch eingelegt hatten, werden vom Finanzamt einen Änderungsbescheid erhalten. Den übrigen Steuerpflichtigen ist zu empfehlen, beim Finanzamt einen Antrag auf Änderung des seinerzeitigen vorläufigen oder unter Vorbehalt der Nachprüfung stehenden Steuerbescheids zu stellen und ihre Aufwendungen für das Arbeitszimmer für die Jahre 2007 bis 2009 beim Finanzamt geltend zu machen. Das BMF-Schreiben vom 15.12.2010 - IV A 3 - S 0338/07/10010-03 enthält die verfahrensrechtlichen Folgerungen aus dem BVerfG-Beschluss zur Abziehbarkeit der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer. Nicht zu einer nachträglichen Steuererstattung kommen offensichtlich Steuerpflichtige, deren Steuerbescheid nicht vorläufig ergangen ist. Dies wird in der Regel das Jahr 2007 betreffen. Zur im Zuge der Neuregelung rückwirkend veränderten einkommensteuerlichen Behandlung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer vgl. auch BMF, 02.03.2011 - IV C 6 - S 2145/07/10002.

Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit
Der Vollabzug der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer setzt voraus, dass sich dort der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen befindet. Insoweit wird die Beurteilung nicht für jede Einkunftsquelle getrennt vorgenommen. Entscheidend ist vielmehr die Nutzung im Rahmen der gesamten einkommensteuerlich relevanten Betätigung (BFH, 23.09.1999 - VI R 74/98, BStBl II 2000, 7). Steuerpflichtige, die mehreren beruflichen Tätigkeiten nachgehen, sind z.B. dann vom Vollabzug der Arbeitszimmerkosten ausgeschlossen, wenn sich auch nur für eine der Einkunftsquellen der Tätigkeitsmittelpunkt außerhalb des Arbeitszimmers befindet. Das gilt selbst dann, wenn die übrigen Tätigkeiten zu 100 % im Arbeitszimmer erledigt werden.

Beispiel:
Ein im Hauptberuf als Finanzbeamter tätiger Steuerpflichtiger ist nebenberuflich als Autor von Steuerfachliteratur tätig. Die schriftstellerische Tätigkeit erbringt er ausschließlich in seinem häuslichen Arbeitszimmer.

Lösung:

Da der Mittelpunkt der Tätigkeit im Hauptberuf in der Dienststelle des Steuerpflichtigen liegt, scheidet ein Vollabzug der Arbeitszimmerkosten selbst dann aus, wenn er das Arbeitszimmer ausschließlich für seine schriftstellerische Tätigkeit nutzt und diese auch zu 100 % in dem Arbeitszimmer erbringt.


Der Mittelpunkt der Tätigkeit liegt im Arbeitszimmer, wenn der Steuerpflichtige ausschließlich oder zumindest nahezu ausschließlich in dem Arbeitszimmer tätig wird und die für seine berufliche und betriebliche Tätigkeit entscheidenden Leistungen dort erbringt. Bei reinen Arbeitnehmern kann das Arbeitszimmer nur dann Tätigkeitsmittelpunkt sein, wenn der Arbeitnehmer an keinem anderen Ort dauerhaft tätig wird. In Betracht kommen hier z.B. typische Heimarbeiter. Demgegenüber hat z.B. ein Richter seinen Tätigkeitsmittelpunkt im Gericht und ein Lehrer in der Schule, an der er unterrichtet.

Vom Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung ist dann auszugehen, wenn sich der inhaltliche (qualitative) Schwerpunkt der Tätigkeiten im häuslichen Arbeitszimmer abspielt.
Werden danach Arbeitnehmer auch außerhalb Ihres Arbeitszimmers tätig (insbesondere als Außendienstmitarbeiter), steht Ihnen der volle Werbungskostenabzug zu, wenn Sie das Finanzamt davon überzeugen können, dass die in Ihrem Arbeitszimmer ausgeübte Tätigkeit Ihren Beruf im Wesentlichen prägt und die Tätigkeiten im Außendienst nur von untergeordneter Bedeutung sind. Natürlich darf der zeitliche (quantitative) Rahmen nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. Die Rechtsprechung des BFH ist von einer einzigartigen Kasuistik geprägt. Nachfolgend deshalb ein Überblick:

Sachverhalt

BFH vom

Fundstelle

Qualitativer Schwerpunkt ist ausschlaggebend. Bei einer Produkt- und
Fachberaterin, deren Tätigkeit
wesentlich durch die Arbeit im Außendienst geprägt ist, bildet das
häusliche AZ auch dann nicht den Mittelpunkt, wenn die dort verrichteten
Tätigkeiten zur Erfüllung der übertragenen Aufgaben notwendig
sind

13.11.2002 - VI R 82/01

BStBl II 2004, 62

Geht ein Stpfl. einer einzigen betrieblichen
oder beruflichen Tätigkeit nach, liegt der Mittelpunkt dann im häusl.
AZ, wenn der qualitative Schwerpunkt der
Tätigkeit dort ausgeübt wird. Dies ist bei einer
Ärztin, die Gutachten über die
Einstufung der Pflegebedürftigkeit erstellt und ihre Patienten dazu
ausschließlich außerhalb des AZ untersucht und vor Ort auch alle
erforderlichen Befunde erhebt, zu verneinen

23.01.2003 - IV R 71/00

BStBl II 2004, 43

Qualitativer Schwerpunkt: Bei einem
Ingenieur, dessen Tätigkeit wesentlich
durch die Erarbeitung theoretischer komplexer Lösungen im häusl. AZ
geprägt ist, kann dieses auch dann den Mittelpunkt der beruflichen
Betätigung bilden, wenn die Betreuung von Kunden im Außendienst
ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört

13.11.2002 - VI R 28/02

BStBl II 2004, 59

Qualitativer Schwerpunkt: Bei einem
Verkaufsleiter (ohne Arbeitsplatz in der
Firma), der zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von
Großkunden auch im Außendienst tätig ist, kann das häusl.
AZ gleichwohl den Mittelpunkt bilden, wenn er dort die für seinen Beruf
wesentlichen Leistungen (hier: Organisation der Betriebsabläufe) erbringt.
Lt. BFH: Keine typische Außendiensttätigkeit

13.11.2002 - VI R 104/01

BStBl II 2004, 65

Qualitativer Schwerpunkt:
Praxis-Consultant, der ärztliche Praxen
in betriebswirtschaftlichen Fragen berät, betreut und unterstützt,
kann das häusl. AZ auch dann den Mittelpunkt bilden, wenn er einen nicht
unerheblichen teil seiner Arbeitszeit im Außendienst erbringt

29.04.2003 - VI R 78/02

BStBl II 2004 II, 76

Qualitativer Schwerpunkt: Ist ein
Architekt neben der Planung auch mit der
Ausführung der Bauwerke (Bauüberwachung) betraut, kann diese
Gesamttätigkeit keinem konkreten Tätigkeitsschwerpunkt zugeordnet
werden. In diesem Fall bildet das häusl. AZ nicht den Mittelpunkt

26.06.2003 - IV R 9/03

BStBl II 2004 , 50

Außendienstmitarbeiter:
Bei einem Dipl.-Ing. der seine berufliche Tätigkeit als leitender
Vertriebsingenieur und Verkaufsleiter für einen Hersteller
größerer Klimaanlagen teils im Außendienst teils zu Hause
verrichtet, kann ggf. der unbeschränkte WK-Abzug möglich sein

26.06.2003 - VI R 79/01

BFH/NV 2003, 1418

Mittelpunkt: Qualitative Gesichtspunkte im Vordergrund auch bei mehreren Tätigkeiten

15.05.2003 - IV B 219/01

BFH/NV 2003, 1408

Erwerbsmittelpunkt eines
Verkaufsleiters: Häusl. AZ und
Außendienst eines Stpfl. können nicht gleichermaßen
Mittelpunkt der berufl. Betätigung sein

21.02.2003 - VI R 14/02

BStBl II 2004, 68

Arbeitszimmer eines Praxis-Consultants, der ärztliche Praxen in betriebswirtschaftlichen Fragen berät, betreut und unterstützt: Das häusliche Arbeitszimmer kann auch dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bilden, wenn er einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitszeit im Außendienst verbringt.

29.04.2003 - VI R 78/02

BStBl II 2004, 76

Vertriebsingenieur: Arbeitszimmer kann
Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit sein (Zeitanteile: 57,7 %
Arbeitszimmer, 20,1 % reine Fahrtzeiten, 22,1 % Aufenthalte beim Kunden);
Argumentation: nicht wie Handelsvertreter, der seine Kunden innerhalb eines
bestimmten Gebietes laufend besucht. Im AZ nicht nur bürotechnische
Verwaltungstätigkeiten, sondern eigentliche Arbeit

29.04.2003 - VI R 86/01

BFH/NV 2003, 1174

Gewerblich tätiger Konstrukteur: AZ = Mittelpunkt, wenn die auf den
Außendienst entfallenden Tätigkeiten qualitativ und zeitlich einen
unbedeutenden Umfang einnehmen (10 % Außentätigkeit)

09.04.2003 - X R 52/01

BFH/NV 2003, 1172

Mittelpunkt:
Geht ein Stpfl. einer einzigen betrieblichen und beruflichen Betätigung
nach, so liegt der Mittelpunkt seiner gesamten Betätigung dann im
häusl. AZ, wenn der Stpfl. dort die Handlungen vornimmt und Leistungen
erbringt, die für den konkret ausgeübten Beruf wesentlich und
prägend sind. Der Mittelpunkt bestimmt sich nach dem inhaltlich
(qualitativen) Schwerpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung.
Dem zeitlichen (quantitativen) Umfang der Nutzung kommt lediglich eine indizielle Bedeutung zu

09.04.2003 - X R 75/00

BFH/NV 2003, 917

Angestellter Kfz-Sachverständiger: Mittelpunkt, wenn Kernbereich in
der gutachterlichen Auswertung des aufgenommenen Schadens am häusl. PC
besteht

FG Niedersachsen, 29.08.2002 - 12 K 278/99

EFG 2003, 609

Arbeitszimmer eines
Bildjournalisten nicht beruflicher
Mittelpunkt

28.08.2003 - IV R 34/02

BStBl II 2004, 53

Kein Mittelpunkt, wenn ein als Rechtsreferendar Beschäftigter eine weitere nichtselbstständige Arbeit (hier: für eine Autovermietung) ausübt.

13.03.2007 - VI B 96/06

BFH/NV 2007, 1131

Kein häusliches Arbeitszimmer eines
Unternehmensberaters, dessen AZ eher dem
Bild eines "Büros" entspricht

22.07.2003 - VI R 20/02

BFH/NV 2004, 33


Hinweis:
Übt ein Steuerpflichtiger mehrere betriebliche und berufliche Tätigkeiten nebeneinander aus, lassen sich grundsätzlich folgende Fallgruppen unterscheiden: Bilden bei allen Erwerbstätigkeiten - jeweils - die im häuslichen Arbeitszimmer verrichteten Arbeiten den qualitativen Schwerpunkt, so liegt dort auch der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit. Bilden hingegen die außerhäuslichen Tätigkeiten - jeweils - den qualitativen Schwerpunkt der Einzeltätigkeiten oder lassen sich diese keinem Schwerpunkt zuordnen, so kann das häusliche Arbeitszimmer auch nicht durch die Summe der darin verrichteten Arbeiten zum Mittelpunkt der Gesamttätigkeit werden. Bildet das häusliche Arbeitszimmer schließlich den qualitativen Mittelpunkt lediglich einer Einzeltätigkeit, nicht jedoch im Hinblick auf die übrigen, ist davon auszugehen, dass das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der Gesamttätigkeit bildet. Der Steuerpflichtige hat jedoch die Möglichkeit, anhand konkreter Umstände des Einzelfalls glaubhaft zu machen oder nachzuweisen, dass die Gesamttätigkeit gleichwohl einem einzelnen qualitativen Schwerpunkt zugeordnet werden kann und dass dieser im häuslichen Arbeitzimmer liegt. Abzustellen ist dabei auf das Gesamtbild der Verhältnisse und auf die Verkehrsanschauung, nicht auf die Vorstellung des betroffenen Steuerpflichtigen (BFH, 13.10.2003 - VI R 27/02, BStBl II 2004, 771). Das häusliche Arbeitszimmer und der Außendienst können nicht gleichermaßen "Mittelpunkt" der beruflichen Betätigung eines Steuerpflichtigen i.S.d. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Buchst. b) Satz 3 Halbsatz 2 EStG sein (BFH, 21.02.2003 - VI R 14/02, BStBl II 2004, 68). Das häusliche Arbeitszimmer eines Steuerpflichtigen, der mehreren Erwerbstätigkeiten nachgeht, kann auch dann den Betätigungsmittelpunkt i.S.d. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Buchst. b) Satz 3 Halbsatz 2 EStG bilden, wenn der qualitative Schwerpunkt einzelner Tätigkeiten nicht im häuslichen Arbeitszimmer liegt (BFH, 16.12.2004 - IV R 19/03, BFH/NV 2005, 174).


Bei einem Steuerpflichtigen, der eine in qualitativer Hinsicht gleichwertige Arbeitsleistung wöchentlich an drei Tagen an einem häuslichen Telearbeitsplatz und an zwei Tagen im Betrieb seines Arbeitgebers zu erbringen hat, liegt der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung im häuslichen Arbeitszimmer (BFH, 23.05.2006 - VI R 21/03). Im Streitfall wurde durch Einrichtung eines Telearbeitsplatzes unter gleichzeitiger Reduzierung betrieblicher Büroflächen und Schreibtische der betriebliche Arbeitsplatz zeitweise örtlich ausgelagert bzw. das betriebliche Büro ersetzt. Werden in einem solchen Falle gleichartige und damit in qualitativer Hinsicht gleichwertige Arbeitsleistungen (alternierend) an drei Tagen an einem häuslichen Arbeitsplatz und an zwei Tagen im Betrieb des Arbeitgebers erbracht, so kann sich der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung nur im häuslichen Arbeitszimmer befinden.

Hinweis:
Das BMF hat die zur Bestimmung des Mittelpunktes geltenden Grundsätze zusammengefasst (BMF, 02.03.2011 - IV C 6 - S 2145/07/10002).


Begrenzter Abzug wegen fehlenden Arbeitsplatzes
Für die Gewährung des auf 1.250 EUR im Jahr begrenzten Abzugs für ein Arbeitszimmer ist insbesondere bei Arbeitnehmern Voraussetzung, dass dem Steuerpflichtigen vom Arbeitgeber weder im Betrieb noch anderweitig ein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt wird. Als Arbeitsplatz in diesem Sinn genügt schon, dass dem Arbeitnehmer ein Schreibtisch zur Erledigung seiner Arbeiten zur Verfügung gestellt wird. Unter diese Abzugsvariante dürften in aller Regel Reisende, Außendienstmitarbeiter und nebenberuflich Tätige fallen. Außerdem gehören zu den insoweit begünstigten Berufsgruppen Richter und Lehrer, denen kein Dienstzimmer oder z.B. ein eigener Schreibtisch in ihrer Dienststelle zur Verfügung stehen. Nicht unter diese Variante fallen somit Richter, die ihr zur Verfügung stehendes Dienstzimmer nicht nutzen und Lehrer, denen infolge ihrer Funktion in der Schule ein eigener Arbeitsplatz zur Verfügung steht, z.B. ggf. Schulleiter, Fachbereichsleiter u.ä.

Praxistipp:
Bei nebenberuflich ausgeübten Tätigkeiten lässt sich in der Regel der Abzug der Arbeitszimmerkosten bis zu 1.250 EUR damit begründen, dass außer dem Arbeitszimmer für die spezielle Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Insoweit wird anders als beim Vollabzug für jede berufliche oder betriebliche Tätigkeit isoliert geprüft, ob außer dem Arbeitszimmer noch ein anderer Arbeitsplatz für diese Tätigkeit zur Verfügung steht. Im o.g. Beispiel des nebenberuflich als Schriftsteller tätigen Finanzbeamten wäre somit ein Abzug der Arbeitszimmerkosten bis zu 1.250 EUR möglich.


Nutzt ein selbstständig tätiger Steuerpflichtiger sein häusliches Arbeitszimmer zu 20 % zu beruflichen Zwecken und steht ihm für diese Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, so kann er 20 % seiner tatsächlichen Aufwendungen, nicht aber pauschal 1.250 EUR als Betriebsausgaben absetzen (BFH, 14.12.2004 - XI R 13/04), BStBl II 2005, 344.

"Anderer Arbeitsplatz" im Sinn der Abzugsbeschränkung ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Er steht aber nur dann für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit zur Verfügung, wenn ihn der Steuerpflichtige in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich nutzen kann. Dazu muss geprüft werden, ob ein anderer Arbeitsplatz tatsächlich für alle Aufgabenbereiche der Erwerbstätigkeit zur Verfügung steht.

a) BFH, 07.08.2003 - VI R 16/01 , BStBl II 2004, 77: Schulleiter mit kleinem Dienstzimmer können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer setzen.
Steht einem Grundschulleiter, der zu 50 % von seiner Unterrichtsverpflichtung freigestellt ist, ein Dienstzimmer von knapp elf Quadratmetern zur Verfügung, so schließt das die steuerliche Berücksichtigung von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht aus. In einem derart kleinen Raum ist nicht genügend Platz, um die für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts erforderlichen Gegenstände unterzubringen.

b) BFH, 07.08.2003 - VI R 17/01 , BStBl II 2004, 78: Bei einem Arbeitsplatz im Großraumbüro ist kein Abzug von Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer möglich.
Ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro ist auch dann ein "anderer Arbeitsplatz" i.S.d. Abzugsbeschränkung, wenn er dem Steuerpflichtigen nicht individuell zugeordnet ist. Entscheidend ist allein, ob der Steuerpflichtige den Arbeitsplatz tatsächlich nutzen kann. Steht ihm ein solcher Arbeitsplatz zur Verfügung, kann er keine Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer abziehen.

c) BFH, 07.08.2003 - VI R 41/98 , BStBl II 2004, 80: Angestellte EDV-Organisatoren können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten abziehen.
Leistet ein EDV-Organisator außerhalb seiner regulären Arbeitszeit vom häuslichen Arbeitszimmer aus per Telefon und Teleservice Bereitschaftsdienst, sind die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer grundsätzlich bis zu einer Höhe von 1.250 EUR als Werbungskosten zu berücksichtigen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn der EDV-Organisator seinen Arbeitsplatz bei seinem Arbeitgeber für den Bereitschafsdienst nicht nutzen kann.

d) BFH, 07.08.2003 - VI R 118/00 , BStBl II 2004, 82: Schulleiter mit Büro in der Schule können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abziehen.
Steht einem Schulleiter, der auch selbst unterrichtet, im Schulsekretariat ein Schreibtisch zur Verfügung, so schließt das die steuerliche Berücksichtigung von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht aus. Der Arbeitsplatz in der Schule dient regelmäßig nur der Erledigung von Verwaltungsarbeiten und nicht der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts.

e) BFH, 07.08.2003 - VI R 162/00 , BStBl II 2004, 83:
Einem Bankangestellten mit Büroarbeitsplatz in der Schalterhalle der Bank mit Verpflichtung, Bürotätigkeiten auch außerhalb der üblichen Bürozeiten zu verrichten, steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Kostenabzug bis zu 1.250 EUR möglich.

Unter die Abzugsbeschränkung fallende Kosten
Unter die Begrenzung des Kostenabzugs fallen nach Auffassung der Finanzverwaltung sämtliche Kosten für das Arbeitszimmer, also die

  • laufenden Kosten des Arbeitszimmers (Miete, Strom, Reinigung, Zinsen, Gebäudeabschreibung etc.) und die

  • Kosten der Ausstattung des Arbeitszimmers

Zu den lediglich beschränkt abzugsfähigen Kosten gehört danach vor allem auch die Ausstattung des Arbeitszimmers, z.B. mit Tapeten, Teppichen und Fenstervorhängen. Ein Abzug der Aufwendungen für als Arbeitsmittel anzusehende Ausstattungsgegenstände, wie Schreibtisch, Bücherregal oder Papierkorb wird ohne betragsmäßige Einschränkung zugelassen (BFH, 21.11.1997 - VI R 4/97, BStBl II 1998, 351).

Praxistipp:
Ebenfalls nicht unter die Abzugsbeschränkung dürften dann auch solche Arbeitsmittel fallen, die in einem steuerlich nicht anzuerkennenden Arbeitszimmer stehen. Ist z.B. das Arbeitszimmer räumlich nicht von den übrigen Zimmern getrennt oder handelt es sich um ein Zimmer, dass auch noch anderweitig privat genutzt wird, kann z.B. die Einrichtung einer sogenannten Arbeitsecke eine nahezu ausschließlich berufliche Nutzung unterstellt - als Kosten für Arbeitsmittel abgesetzt werden.


Außerhäusliches Arbeitszimmer
Ist das ausschließlich beruflich genutzte Arbeitszimmer nicht als "häuslich" zu qualifizieren, sind die Aufwendungen in vollem Umfang gem. § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG als Werbungskosten abzugsfähig.

Den Abzugsbeschränkungen unterliegen nur sog. häusliche Arbeitszimmer. Kann danach ein Arbeitszimmer im Umkehrschluss als außerhäusliches Arbeitszimmer angesehen werden, kommt ein unbegrenzter Kostenabzug in Betracht.

"Häusliches Arbeitszimmer" i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Stpfl. eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer bzw. -organisatorischer Arbeiten dient (BFH, 19.09.2002 - VI R 70/01, BStBl II 2003, 139). Auch ein im Keller des selbst bewohnten Einfamilienhaus gelegener Raum, den der Stpfl. zusätzlich zu einem häuslichen Arbeitszimmer als Archiv nutzt, kann zusammen mit diesem unter die Abzugsbeschränkung fallen. Ein Kellerraum, der seiner Funktion und Ausstattung nach ein Arbeitszimmer ist, kann grundsätzlich unter die Abzugsbeschränkung fallen, wenn er nicht aufgrund besonderer Umstände tatsächlicher oder rechtlicher Art aus der häuslichen Sphäre des Steuerpflichtigen herausgelöst ist. Es ist möglich, einen als Lager, Werkstatt oder Arztpraxis genutzten Raum bei einer für ein Arbeitszimmer atypischen Ausstattung und Funktion auch dann nicht als häusliches Arbeitszimmer anzusehen, wenn er seiner Lage nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist. Aufwendungen für einen zugleich als Büroarbeitsplatz und als Warenlager betrieblich genutzten Raum unterliegen der Abzugsbeschränkung für häusliche Arbeitszimmer, wenn der Raum nach dem Gesamtbild der Verhältnisse, vor allem aufgrund seiner Ausstattung und Funktion, ein typisches häusliches Büro ist und die Ausstattung und Funktion des Raumes als Lager dahinter zurücktritt (BFH, 22.11.2006 - X R 1/05).

Weitere BFH-Entscheidungen

BFH vom

Fundstelle

Ärztliche Notfallpraxis ist kein häusliches Arbeitszimmer, selbst
wenn sie mit Wohnräumen des Arztes räumlich verbunden ist

05.12.2002 - IV R 7/01

BStBl II 2003, 463

Arbeitszimmer im
Anbau an ein Wohnhaus kann "häuslich"
sein, auch wenn es nur über einen separaten Eingang vom
straßenabgewandten Garten aus betreten werden kann.

13.11.2002 - VI R 164/00

BStBl II 2003, 350

Büro
des Arbeitgebers im Haus des Spfl. ist kein häusliches Arbeitszimmer.

20.03.2003 - VI R 147/00

BStBl II 2003, 519

Häusliches AZ neben de r Wohnung zumindest dann, wenn in einem Mehrfamilienhaus die
zusätzliche Wohnung als Arbeitszimmer an die Privatwohnung angrenzt.

26.02.2003 - VI R 124/01

BStBl II 2004, 69

Kein häusliches Arbeitszimmer bei gesondert angemieteten Kellerräumen (hier: zusätzlich und räumlich
getrennt zum eigentlichen Kellerraum angemieteter Kellerraum)

26.02.2003 - VI R 160/99

BStBl II 2003, 515

Häusliches Arbeitszimmer liegt vor bei
Anmietung gegenüber der Wohnung (auf
derselben Etage)

26.02.2003 - VI R 125/01

BStBl II 2004, 72

Räume im eigenen EFH haben immer "häuslichen" Charakter (hier:
Angestellter Handelsvertreter, der das DG des EFH als Büro nutzt).

26.02.2003 - VI R 156/01

BStBl II 2004, 75

Lagerraum im Keller eines EFH (für Waren des ArbG) kein
häusliches Arbeitszimmer! Hier: Pharmareferent mit 15qm Arbeitszimmer im
Erdgeschoss + 15 qm Raum im Keller als Lager pharmazeutischer Produkte

19.03.2003 - VI R 40/01

BFH/NV 2003, 1163

Hobbyraum
als häusl. Arbeitszimmer (Arbeitszimmer in einem zur Wohnung gehörenden Hobbyraum =
häusl., auch wenn sich der Raum im Keller eines Mehrfamilienhauses
befindet).

26.02.2003 - VI R 130/01

BStBl II 2004, 74

Von Angehörigen genutzter Raum als Arbeitszimmer: Wird ein in die Wohnung integrierter
Raum von einem zusammen mit dem Stpfl. im Haushalt lebenden Angehörigen
genutzt, der in dessen Unternehmen beschäftigt ist, so kann es sich um ein
häusliches Arbeitszimmer handeln.

12.07.2002 - IV B 36/01

BFH/NV 2002, 1570


Das Abzugsverbot greift nicht bei einem Warenlager oder Wartezimmer (vgl. Heinicke in Schmidt, § 4 EStG Rz. 591 sowie Heuermann, Wagner, Teil F Rz. 489; a.A. Verfügung der OFD Hannover, 10.07.1998 - S 2354 - 112 - StH 222/ S 2354 - 118 - StO 212; DStZ 1998, 922 ).

Dem BFH zufolge besteht kein innerer Zusammenhang zwischen einem Raum im Dachgeschoss und der Privatsphäre/Wohnung im Erdgeschoss (BFH, 18.08.2005 - VI R 39/04). Deshalb ist ein voller Kostenabzug möglich.

Beispiel:
Ein FH-Professor hat zusätzlich Einkünfte als Schriftsteller. Er ist Eigentümer eines dreigeschossigen Hauses. Das EG wird selbst zu Wohnzwecken genutzt, während die Wohnung im OG vermietet ist. In Dachgeschoss befindet sich eine aus vier Räumen bestehende Mansardenwohnung von 39 qm, die der Steuerpflichtige zu beruflichen Zwecken als Arbeitszimmer nutzt. Die Aufwendungen für das Arbeitszimmer sind in vollem Umfang abzugsfähig.


Räumlichkeiten, die ihrer Ausstattung und Funktion nach nicht einem Büro entsprechen, sind auch dann nicht dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers zuzuordnen, wenn sie ihrer Lage nach mit dem Wohnraum des Steuerpflichtigen verbunden und so in dessen häusliche Sphäre eingebunden sind (BFH, 26.03.2009 - VI R 15/07). Im Urteilsfall war der Stpfl. als angestellter Diplom-Ingenieur für die Beratung, den Verkauf und die Betreuung zuständig. Seine Tätigkeit führt er ausschließlich von seinem Wohnsitz aus. Dabei handelt es sich um ein Zweifamilienhaus in der Größe von 216 qm, dessen Obergeschoss die Kläger zu Wohnzwecken nutzen und das Erdgeschoss beruflich genutzt wird. Der BFH lässt die Aufwendungen für das Erdgeschoss zum Abzug zu und wertet es nicht als häusliches Arbeitszimmer. Ein nachträglich zum Arbeitszimmer ausgebauter Dachgeschossraum in einem Mehrfamilienhaus, der zum Sondereigentum einer zwei Stockwerke tiefer gelegenen Eigentumswohnung gehört, kann als häusliches Arbeitszimmer anzusehen sein (BFH, 04.05.2010 - VIII B 63/09).

4. Mietverhältnis hinsichtlich eines "Arbeitszimmers" mit dem Arbeitgeber

Um die ab 1996 geltenden Abzugsbeschränkungen des häuslichen Arbeitszimmers zu "vermeiden", werden z.T. "Mietverträge" mit dem Arbeitgeber über das häusliche Arbeitszimmer abgeschlossen. Die Mieteinnahmen werden als Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erklärt und die vollen Kosten des häuslichen Arbeitszimmers - d.h. ohne Berücksichtigung der Abzugsbeschränkung - werden als Werbungskosten bei Vermietung und Verpachtung geltend gemacht.

5. Besichtigung des Arbeitszimmers

Gelegentlich prüfen die Finanzämter durch eine Ortsbesichtigung, ob die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung des Arbeitszimmers erfüllt sind. Die Prüfer sind gehalten, sich in diesen Fällen rechtzeitig vorher anzumelden und vor der Besichtigung auszuweisen. Bei sogenannten Spontanbesuchen ohne vorherige Anmeldung besteht keine Verpflichtung, die Besichtigung zu dulden. Das Finanzamt kann eine solche Weigerung nicht ohne Weiteres zu Lasten des Arbeitnehmers auslegen. Wer sich allerdings ohne ersichtlichen Grund weigert, eine vorher angemeldete Besichtigung zu dulden, muss damit rechnen, dass die Aufwendungen für das Arbeitszimmer vom Finanzamt nicht anerkannt werden.

6. Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere Steuerpflichtige

Bei einer gemeinsamen Nutzung des Arbeitszimmers durch Ehegatten sind z.B. folgende Kombinationen denkbar:

Umfang der Nutzung

Ehegatte A

Ehegatte B

Auswirkung

Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit

Ja

Ja

Abzug der Aufwendungen je Ehegatte = 50 %

Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit

Ja

Nein

Abzug der Aufwendungen bei Ehegatte A zu 50 % (50 % sind nicht abziehbar)

Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit

Nein

Nein

Kein Abzug der Aufwendungen


Nutzen Ehegatten einen Raum in einem von ihnen bewohnten und in ihrem Miteigentum stehenden Haus, um Dienstleistungen zur Förderung des Gesellschaftszwecks einer zwischen ihnen bestehenden Personengesellschaft zu erbringen, so sind ihnen die auf diesen Raum entfallenden und von ihnen getragenen Aufwendungen (AfA, Schuldzinsen, Energiekosten) nach dem Verhältnis ihrer Miteigentumsanteile zuzuordnen. Nutzen die Ehegatten für diesen Zweck einen Raum in einer von ihnen bewohnten und gemeinsam angemieteten Wohnung, so sind ihnen die anteiligen Mietzinsen und die anteiligen Energiekosten zur Hälfte zuzuordnen. Nutzen Ehegatten gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer, so steht einem Ehegatten, der seine Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 1. Halbsatz EStG 1997 beschränkt abziehen kann, der Höchstbetrag nach dieser Vorschrift nur anteilig zu. Mehrere häusliche Arbeitszimmer, die während eines Veranlagungszeitraums nacheinander in verschiedenen Wohnungen oder Häusern genutzt werden, sind für die Anwendung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 1. Halbsatz EStG 1997 als ein Objekt anzusehen (BFH, 23.09. 2009 - IV R 21/08).

7. Erziehungsurlaub

Aufwendungen einer Steuerpflichtigen, die sich im Erziehungsurlaub befindet, können vorab entstandene Werbungskosten sein. Dabei bedarf der berufliche Verwendungsbezug der Aufwendungen - wenn er sich nicht bereits aus den Umständen von Umschulungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen ergibt - einer ins Einzelne gehenden Darlegung (BFH, 22.07.2003 - VI R 137/99; BFH/NV 2003, 1380). Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, das von einer Steuerpflichtigen während des Erziehungsurlaubs für die spätere Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit vorgehalten wird, können vorab entstandene Werbungskosten sein (BFH, 19.08.2004 - VI R 103/01). Der BFH stellt hierbei auf die zu erwartenden Umstände der späteren beruflichen Tätigkeit ab (BFH, 30.11.2004 - VI R 102/01, BFH/NV 2005, 549).

8. Arbeitslosigkeit

Nutzt ein (arbeitsloser) Steuerpflichtiger ein Arbeitszimmer zur Vorbereitung auf eine Erwerbstätigkeit, so kann er den Aufwand nur geltend machen, wenn ihm der Kostenabzug auch unter den zu erwartenden Umständen der späteren Tätigkeit zustehen würde (BFH, 02.12.2005 - VI R 63/03, BStBl II 2006, 329).

9. Gartenerneuerung

Die Kosten einer Gartenerneuerung können anteilig den Kosten des häuslichen Arbeitszimmers zuzurechnen sein, wenn bei einer Reparatur des Gebäudes, zu dem das Arbeitszimmer gehört, Schäden am Garten verursacht worden sind. Zu berücksichtigen sind allerdings nur diejenigen Aufwendungen, die der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands dienen (BFH, 06.10.2004 - VI R 27/01, DStRE 2004, 1395). Insoweit müssten auch andere "Hauskosten" und Reparaturen, wie die des Heizungskessels oder -brenners, der Wasserleitung und des Daches, als Werbungskosten abziehbar sein. Nach dem BFH-Beschluss vom 14.03.2008 - IX B 183/07 sind Aufwendungen für die Anlage oder Unterhaltung eines Gartens nicht bei den Kosten des Arbeitszimmers im selbst genutzten Einfamilienhaus zu berücksichtigen, wenn der Garten nicht der Erzielung von Vermietungseinkünften dient und die den Garten betreffenden Aufwendungen nicht durch eine Reparatur des Einfamilienhauses veranlasst worden sind.
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